
| 2010 | ||
| <<< | März | >>> |
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
| 01 | 02 | 03 | 04 | 05 | 06 | 07 |
| 08 | 09 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | 31 |
Einträge ges.: 407
ø pro Tag: 0,2
Kommentare: 588
ø pro Eintrag: 1,4
Online seit dem: 23.06.2005
in Tagen: 1723
Schneckenhaus
Frau Waldspecht sagt ...
Chattys Kram
Bodensee Ungeheuer
Püppi
Teeblog
Pure Lebensfreude
Rabenweib
Junifee
Wörmchens Bilderbuch
bewusst gesund
Wollbiene
Pfoten-Anekdoten
Mährandas Welt
Susfi
powered by BlueLionWebdesign
Blogeinträge (themensortiert)
Thema: aus dem leben gegriffenes.....
Delikatesswurst
Noch den Schlaf in den Augen schlurft Frau in die Küche. Ein Blick aus dem Fenster führt nicht zur notwendigen Erheiterung. Alles Grau in Grau. Aber vielleicht ein Blick in den Kühlschrank? Da ist es schön bunt: rote Marmelade, gelbe Marmelade, grüner Joghurtbecher und noch andere diverse Sächelchen in nettem, farbenfrohem Werbedesign.
Misho 02.04.2009, 17.35 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Ich weiß, dass ich nichts weiß!
.jpg)
Misho 04.03.2009, 00.39 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Putzversuch
Die Sonne scheint, ich sitze mit Tee auf dem Balkon. Immer wieder bleibt mein umherschweifender Blick an den verschmutzten Rändern des Balkonbodens hängen. Noch ein Tässchen Tee.
Eine Schweißperle rennt mir den Rücken runter.
Kuschelhund liegt in der letzten Schattenecke, ganz am Rand.....verflixt, wieder diese Schmuddelkante. Ne,ne ich lehne mich jetzt zurück und genieße meinen Tee.
Der innere Schweinehund grinst, Kuschelhund grunzt und hechelt vor sich hin...32 Grad...
Wäre schon schön, wenn dieser Dreckrand weg wäre....noch ein Schweißtropfen versucht die körpereigene Klimaanlage in Schwung zu bringen.
Ich liebe diese heißen Tage mit ihrer langsamen Gangart. Der innere Schweinehund stellt die struppigen Ohren hoch, fletscht die Lefzen und strahlt eine fiese Genugtuung aus. Kuschelhund rollt sich auf den Rücken und reckt das rosa, sparsam behaarte Bäuchlein in den einzigen Windhauch. Die Zunge hängt schräg aus ihrem Maul. Alle Kühlelemente der Hundelady sind im Einsatz.
Der Tee läuft durch meine Kehle und ganz langsam erreichen die anregenden Stoffe meine Synapsen und der Anblick des Dreckrandes führt zur Übermittlung eines Bewegungsreizes in den Extremitäten. Der innere Schweinehund knurrt bedrohlich. Ich stelle mich taub und gehe in die Küche. Ich lasse Wasser in den Putzeimer laufen und greife zur Putzmittelflasche. Ganz ökobewusst mit natürlichen Ölen und Bioalkohol, der sicherlich bei Mondaufgang destilliert wurde. Verschlossen ist das Gutegewissenputzmittel mit einem dicken grünem Drehverschluss. Der sitzt fest.
Ich drehe und schraube...nix.
Ich recke die Nase in die Höhe und blinzle durch die Gleitsichtbrille: Kindersicherung, drücken und drehen...steht Ton in Ton auf dem Verschluss.
Ich drücke und drehe....nix.
Noch ein Schweißtropfen bemüht sich um Kühlung, diesmal auf der Stirn.
Vielleicht sollte ich mal von der Seite drücken?
Fest drücke ich den grünen Drehverschluss an einer irgendwie dafür vorgesehenen Flächen. Da eben wo die Rillen weggelassen wurden, denke ich mir so.
Es knackt verheißungsvoll und der Verschluss lässt sich wirklich drehen. Nur anstatt das vermutlich vorhandene Gewinde hoch zu klettern dreht er sich einfach nur.
Mein innerer Putzschweinehund räkelt sich genüsslich in seiner Ecke und macht sich ganz lang und breit. Aber Ehrgeiz siegt.
Ich setze mich auf den Küchentritt, klemme mir die Flasche zwischen die Schenkel, drücke von oben auf den Drehverschluss und versuche ihn gleichzeitig zu drehen. Er dreht sich auch, aber immer nur im Kreis, nur diesmal ohne Knackgeräusche.
Fühlt sich auch nicht richtig gut an.
Ich greife hinter mich und angle nach der supertollen Allzweckschere mit Flaschenöffner, Deckelheber und eben dem „Drehverschlussgreifwerkzeug“.
Riffel auf Riffel und losgedreht.
Der Verschluss dreht durch, aber das war‘s auch schon.
Mit dem kleinen meißelartigen Deckelheber pule ich unter dem Rand des widerspenstigen Verschlusses herum.
Das Ökoplastik bildet kleine Riefen, der Rand weitet sich, das Ergebnis ist niederschmetternd.
Die Flasche bleibt zu, der Putzteufelschweinehund tobt freudig kläffend im Kreis, Kuschelhund liegt auf dem Schmuddelrand im Schatten und ich trinke noch ein Tässchen Tee und gucke in den schönen blauen Himmel.
Das haben wir nun von unserem Kindersicherungswahn. Wie machen alte Leute mit Gicht, Rheuma und Ähnlichem eigentlich ihre Wohnungen sauber und wie waschen die ihre Wäsche und das Geschirr oder öffnen das Medizinfläschchen mit dem Hustensaft?? Na, das können ja dann die Enkelkinder machen.
Misho 30.07.2008, 19.43 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Nun weiß ich, wie sich ein Durchlauferhitzer fühlt. Am gestrigen Abend hatte ich auf dem gewissen Örtchen plötzlich das Gefühl Rasierklingen zu....na ihr wisst schon...
Nix wie zum Doc und nun lieg ich da mit Wärmflasche, dicken Socken, literweise Tee, heißem Wasser und Cranberry Saft. Infolgedessen pendle ich in kurzen Abständen zwischen Bett und den gekachelten Räumen und würde ich Kilometergeld bekommen, hätte ich ein tolles Essen beim Italiener schon in der Kasse. Nun ja, so hoffen Doc und ich, dass ich ohne Antibiotika auskommen kann. Hoffen wir das Beste.
Ein gutes hat das Ganze: ich komme endlich mal wieder dazu in Ruhe, na fast, bei Euch rumzustöbern.
Es grüßt der Durchlauferhitzer
Misho 18.07.2008, 22.52 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Hallo ihr Lieben...
die Betreuung meiner Mutter und die letzten Zuckungen unserer Baustelle in Hamburg halten mich voll in Trapp. Meine Mutter ist dement und ständig wandele ich auf dem schmalen Grad zwischen Anregung und Überforderung.
Was macht ihr Spaß und regt sie an, was macht sie nervös und noch verwirrter?
Wo muss man helfen und was kann sie noch allein ? Jeder Tag ist anders und jeder Tag erfordert hunderttausend kleine Entscheidungen. Manchmal gelingt es und sie ist fröhlich, oft geht es schief und sie wird depressiv und leider auch aggressiv.
Jeden zweiten Tag spielen wir „Mensch ärgere Dich nicht“ und das sind immer die schönsten Momente. Da blitzt die alte, listige und humorvolle Mutter wieder durch.
Aber lustig isst das alles nicht und was ich mit Ärzten, Krankenkassen, Behörden &Co erlebe raubt mir oft den Atem.
Nur soviel: Es ist ein Skandal wie unsere Gesellschaft mit alten und an Demenz erkrankten Menschen umgeht. Zynisch, menschenverachtend und einfach nur schrecklich.
Wir können von Glück sagen, dass meine Mutter über genügend finanzielle Mittel verfügt, wir sie zuhause versorgen können und auch noch finanzielle Unterstützung leisten können. Wie es den Menschen geht, die nicht so gut versorgt sind, ist furchtbar. Ich fordere jeden auf, sich einmal ein Pflegeheim von innen anzusehen. Die Menschen werden dort nur verwaltet nicht versorgt. 150 Pflegefälle der Pflegestufe drei und eine Schwester für die Nacht....Völlig überlastetes Personal und vor sich hindämmernde, hilflose, grenzenlos einsame Menschen.
Jeder Häftling hat Anspruch auf eine Haftprüfung, aber diese Menschen sind ihrem Schicksal ausgeliefert.
Das eines der reichsten Länder der Welt es sich leistet, so mit Menschen umzugehen ist schlicht ein Skandal... Alte, kranke und finanziell nicht auf Rosen gebettete Menschen scheinen in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr zu haben.
So, das musste raus und nun wisst ihr, warum die Bloggerei bei mir so völlig in den Hintergrund geraten ist...
Die letzten treuen " Vorbeiklicker" grüßt herzlich
Misho
Misho 17.07.2008, 08.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
nanu....
So da bin ich auch mal wieder. Die letzte Zeit war extrem und ich wollte und konnte nicht ins Netz. Was mich umtrieb hatte in der Öffentlichkeit nichts zu suchen und für alles Weitere blieb kein Raum. Nur sehr sporadisch bin ich bei Euch „vorbeigeklickt“.
Ich hoffe ihr könnt es mir nachsehen. Alles hat so seine Zeit und die letzten Wochen war bei mir eben keine Internetzeit ..kommt hier ja öfter mal vor.;-)
Aber manchmal muss man Sachen machen, die man im Leben noch nie gemacht hat und alle die mich kennen werden es nicht glauben, aber ich gehe heute in eine Kneipe und gucke Fußball.. Ja, ich.!!!!..die noch nie im Leben ein Fußballspiel angesehen hat und nur weiß, dass sich zwei mal elf Millionäre in bunten kurzen Hosen auf einem schönen grünen Rasen wälzen und etwas Rundes in was Eckiges bekommen müssen.
Wenn alle schreien, schreie ich halt mit und wenn alle jubeln, jubele ich halt mit....ich werde weder ein deutsches noch ein türkisches Fähnchen schwingen, ein- zwei Bierchen trinken und staunen....keine Ahnung, was mich gestochen hat...?????
In diesem Sinne: TÄÄÄTÄRÄTÄÄÄÄÄÄ
Euch einen schönen Fußballabend....
Ich werde berichten :-))
Misho 25.06.2008, 18.16 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Netklimbim und eine Übung der Gelassenheit
Nun freut sich Frau über das schnelle Internet. Jubelnd will sie ihre, auf das schnelle Internet lauernden, Hörbücher, Podcast‘s und Filmchen bei I-Tunes herunterladen. Schließlich steht ja eine längere Bahnfahrt nach Hamburg an.
Ruckzuck ist die Seite aufgebaut, ein Klick und der blaue Balken beginnt zu wachsen. Stetig schiebt er sich voran, Millimeterchen für Millimeterchen und plötzlich: STILLSTAND.
Kann ja mal passieren, denkt Frau und beginnt von vorn: Klick und ein bläulich durchsichtig schimmernder Balken schiebt sich wieder voran: Millimeter für Millimeter...380kb...320.kb...246kb..175kb... schon nett blauen Balken beim Wachsen zuzusehen....176 kb...150 kb....80 kb???!!!!!..STILLSTAND
Dieses Spielchen wiederholt sich mehrere Male.
Allerdings schwirren gleichzeitig reichlich ungezogene Vokabeln durch den Raum, abgesondert von einem rotwangigen Wesen hinter einem weißen Display.
Diese undisziplinierten Äußerungen erreichen auch das zweite im Raum befindliche menschliche Wesen, dessen Miene sich zunehmend verfinstert.
Die Lippen werden schmal, die Augen eng. Schotten dicht !!!
Die umherflirrenden immer unflätigeren Ausdrücke prallen ab.
Nun werden die üblen Worte noch durch ausladende Gesten und auf den Tisch krachende weiße, todschicke Mäuse ohne Schwanz begleitet. Weder der blaue Balken, noch der gelassene Mitmensch hinter dem Display 2 lassen sich aus der Ruhe bringen. Frau gibt auf, dreht der weißen Kiste den Saft ab und gelangt mal wieder zu der Erkenntnis, dass es zur inneren Gelassenheit noch ein weiter Weg ist.
Dieses Übungsfeld ist zwar bestens geeignet, aber doch wohl eher etwas für Fortgeschrittene.
Am nächsten Morgen wiederholt sich die Szene in leichter Abwandlung. Frau lässt den blauen Balken allein vor sich hinwachsen, während sie sich ihren Lieblingstee kocht, ein leckeres Müsli bereitet und das nach Sanddorn duftende Duschgel bereit legt.
Die Seele will gestreichelt werden.
Auch diese schnöde Nichtbeachtung beeindruckt den blauen Balken keinen Millimeter. Unverrückbar hockt er bei 5891kb von 12321kb fest.
Ich atme ein...ich atme aus....denkt Frau und betrachtet die in der Sonne leuchtenden Rosen auf ihrem Balkon...ich atme ein...ich atme aus......
Jetzt greift Frau zum Telefon und wählt die Nummer der Hotline des neuen Anbieters.
Erstaunlich schnell und ganz freundlich wird Frau mit einem Techniker verbunden:
„Mein Name ist Dideldum, was kann ich für Sie tun?“ ...ich atme ein....ich atme aus...
„Seit zwei Tagen kann ich keine Downloads mehr vornehmen... beginnt Frau und schildert ihr Problem.
„Welche Hardware haben sie denn?“
„Oh so einiges...“ meint Frau fachmännisch und krabbelt schon mal unter den Schreibtisch zu blinkenden Steckern an Kabelsalat.
„Und der Router, was ist das für einer?“
„Ach Router??? Das ist so ein weißer, der steht auf dem Regal, da muss ich erst auf die Leiter steigen... Moment,“ keucht Frau unter dem Schreibtisch hervor, flitzt in die Küche, holt den Tritt und nähert sich dem Router auf Augenhöhe.
„Also der Router ist ein...Netklimbim.“
„Tja, der ist nicht von uns, dann kann ich ihnen keine Auskunft geben,“ sagt die Stimme ganz sanft mit warmen Klang, „tut mir wirklich leid!“ ergänzt sie mitfühlend.
Ich atme ein...ich atme aus...ich fühle den Kontakt mit dem Boden......der Atem fließt ruhig und sanft......
„ Warum hat denn der Techniker ihres Unternehmens, der uns die Geräte angeschlossen hat ausdrücklich betont, dass er lieber den hochwertigeren Netklimbim anschließt statt des von ihnen geliefertes Teils?“ flattert es Frau aus dem Mund
„In unseren AGB‘s steht, dass wir Ihnen keine Auskunft geben dürfen, wenn sie ein Fremdgerät angeschlossen haben, tut mir leid. Da müssen Sie bei Netklimbim anrufen.“
„Und die sagen mir dann, dass sie leider nichts für mich tun können, da ihr Mitarbeiter sicherlich auf irgendeine Weise nicht befugt war das Netklimbim anzuschließen.
Dafür muss jetzt sicherlich ein Techniker von Netklimbim kommen. Das dauert dann so circa ein bis zwei Wochen und der wird uns dann sagen, dass leider die Leitung der „Telekom“ in Tateinheit mit dem Anschluss von „Alice“ den Router von Netklimbim erdrosselt hat, sodass dann wiederum ein Techniker von Alice kommen muss, um ein Aliceklimbim anzuschließen.
Natürlich harmoniert Aliceklimbim dann nicht mit den heruntergeladenen Dateien, Aliceklimbim ist ja etwas minderwertiger als Netklimbim, sodass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass die Frau des Hauses den dann nach weiteren ein bis zwei Wochen auftauchenden Aliceklimbimtechniker erdrosselt und wegen mildernder Umstände nicht in den Knast, sondern in die Klapsmühle wandert. Zwei von drei Richtern werden ähnliche, wenn nicht gleiche Erfahrungen gemacht haben und das Strafmaß entsprechend festlegen.“
Stille in der Leitung.
„Dort treffe ich dann lauter nette Menschen, die nachts umherirren und was von Telekom, Hilfe!! HIlfe!!! Alice!!! bitte Hilf.!!!!!..blinkenden Lämpchen und irgendwelchen dicken Menschen mit seltsamen Taschen und Piepstönen faseln. Von der Außenwelt bekommen die sowieso nichts mehr mit, da diese erbarmungswürdigen Kreaturen einschließlich meiner Wenigkeit der Hotlinedauergedudel-Tinitus voll erwischt hat.“
„Na, sie haben Humor!“ prustet der Techniker in die Leitung.
„Das täuscht junger Mann!! Das täuscht ganz gewaltig!“
Ich atme ein...ich atme aus....ich fühle den Atem sanft durch meine Lungen strömen...meine Füße stehen fest auf dem Boden......Ich lebe ganz entspannt im Hier und Jetzt..... Wozu brauche ich Internet, wenn ich doch schon Telefon habe... man soll ja nicht so maßlos sein.
Misho 14.05.2008, 17.51 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Telekom die Dritte..

Weitere Wochen in Stille sind vergangen. Hoffnungsfroh sahen die Bewohner dem Tag entgegen, an dem sie durch einen neuen Anbieter wieder mit der Welt verbunden werden sollten. Voller Vorfreude wurden fällige Downloads auf das magische Datum: 5.5. verschoben und E-Mails fertig formuliert in die Warteschleife des Entwurf-Ordners gestellt. Die funkelnagelneue Telefonnummer, wäre die alte beibehalten worden, hätte es mit dem Anschluss mindestens noch weitere zwölf Wochen gedauert, wurde schon mal unter Vorbehalt an die Freunde mitgeteilt. Von Angesicht zu Angesicht.
Tatsächlich zerriss am Montag dem 5.5. das schrille Klingeln der Türglocke die meditative Stille.
Flink öffnete der Herr des Hauses die Tür. Er hatte sich für diesen denkwürdigen Anlass Urlaub genommen.
Ein großer Mann mit modernem Stoppelschnitt, Dreitagebart und verheißungsvoller Tasche betrat wortkarg die Wohnung.
„Können sie telefonieren?“ war seine erste und einzige Frage.
Der Herr des Hauses bekam große Augen:
„ Was meinen sie wohl, warum sie hier sind?“
Er bekam keine Antwort.
Der Herr des Hauses zeigte dem Telekomiker die TAE-Dose. Schweigend und ohne die zwei und vierbeinigen Mitbewohner eines Blickes zu würdigen steckte er ein kleines Messgerät in die Telefondose.
Das Gerät piepste, aber das Piepsen war wohl nicht das richtige Piepsen, jedenfalls machte sich der Techniker in der Wohnung schweigend auf die Suche nach irgendwas.
„Die „Urdose“ ist hinter dem Garderobenschrank. Vor 22 Jahren wurde durch die Post eine zweite Dose verlegt, die funktionierte einwandfrei, bis die Telekom vor 7 Wochen unsere Leitung abgeschaltet hat“ versuchte der Herr des Hauses dem stumm umherirrenden Telekomiker eine Richtung zu geben.
Keine Reaktion.
„ Soll ich Ihnen den Keller, in dem der Verteilerkasten steht, aufschließen?“ war sein zweiter Versuch.
Ein Nicken seitens des Technikers. Immerhin eine Reaktion.
Gemeinsam stiegen die Herren in die Tiefen des Hauses. In einem grauen Kasten hielt der Telekomiker sein Messgerät an die linke Leiste bunter Drähte. Dann an die rechte Leiste. Brummelnde Geräusche waren den Drähten zu entlocken. Ebenfalls unverständlich brummelnd packte der Telekomiker sein Gerät wieder ein und stieg
wortlos, zwei Stufen auf einmal nehmend, treppauf in die Wohnung.
Wieder blickte er sich suchend um:
„Gibt‘s hier noch ‚ne Dose?“ fragte er mürrisch.
„Die „Urdose“ liegt hinter dem Garderobenschrank! “ wiederholte der Herr des Hauses sein Dosenangebot von vor dem Kellergang.
„Da muss ich ran!“ war der knappe Befehl.
„Ich sagte doch bereits, an der Dose ist nichts verändert worden,“ bemühte sich der Herr des Hauses „ wenn sie nun doch an die Dose wollen, muss ich den Schrank erst abrücken.“
„Darauf kann ich nicht warten!“ schnaubte der Telekomiker und bevor der Herr des Hauses den Mund wieder öffnen konnte war er ohne neue Terminabsprache verschwunden.
Verdutzt rief der Herr des Hauses über Handy bei dem neuen Anbieter an.
Wider Erwarten war gleich eine menschliche Stimme am Apparat und es wurde ein neuer Termin mit der Telekom für den kommenden Freitag verabredet. Gleichzeitig bestätigte die Mitarbeiterin, dass am gleichen Tag ein Techniker von ihnen kommen würde, um schon mal die neuen Geräte wie Splitter, Router usw anzuschließen.
Tatsächlich! Am Abend stand ein junger Mann in der Tür, um uns dem Telefonanschluss ein Schritt näher zu bringen. Mittlerweile war auch die Dame des Hauses vom Einkauf zurück und blickte in die Ecke mit der geheimnisumwitterten Anschlussdose.
„Alles in Ordnung, sie können alles so lassen wie es ist. Perfekt!! Nun muss nur noch die Telekom die Leitung frei schalten“
„ Der war heute hier“ antwortete die Frau des Hauses mit leicht zittriger Stimme.
„Und?? Der hat nichts gemacht?“
Um Fassung bemüht schilderte Frau das Verhalten des Telekomikers.
„ Also, das mit der Urdose ist völliger Quatsch. Da wurde doch nie was dran verändert und es muss auch nichts dran verändert werden. Die Freischalterei wäre eine Sache von wenigen Minuten gewesen.“
Die Dame des Hauses verließ prophylaktisch das Geschehen und versuchte im Verborgenen ihre Achtsamkeit auf den Atem zu lenken: Ich atme ein, ich atme aus....
Der Herr des Hauses, von Natur aus eine gelassene Persönlichkeit, suchte gemeinsam mit dem hilfreichen Geist des neuen Telefonanbieters nach Lösungen. Letzterer telefonierte mit diversen Mitarbeitern und es gelang ihm sogar eine Verbindung zur Telekom herzustellen. Dies drang auch an das Ohr der Dame des Hauses und neugierig wagte sie sich, mittlerweile wieder geerdet, erneut an die Telefonfront.
„Ach so??? Nanu?? Sehr seltsam....!“ der hilfreiche Geist beendete das Gespräch. „ „Also, bei der Telekom ist vermerkt, dass sie sich äußerst unkooperativ ihrem Mitarbeiter gegenüber verhalten hätten,“ beantwortete der hilfreiche Geist die fragenden Blicke der neuen Kunden.
„ Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaas..????? Nur weil wir nicht in Sekundenschnelle den Schrank wegzaubern konnten um eine Dose freizulegen, die überhaupt vollkommen irrelevant für einen neuen Anschluss ist... und der Arsch abgehauen ist, bevor wir überhaupt mit ihm richtig sprechen konnten, haben wir uns unkooperativ verhalten????..“ kreischte die Frau des Hauses.
Jede Gelassenheit war völlig zum Teufel....
Der hilfreiche Geist betrachtete mitfühlend das aus der Fassung geratene Wesen.
„Ich werde ihre neue Rufnummer auf ihr Handy umleiten, dann können sie wenigstens schon mal Anrufe empfangen.“ In Minutenschnelle war die entsprechende Schaltung erledigt. Allein die Tatsache, dass sich ein richtiger Mensch aus Fleisch und Blut bemühte ein Problem zu lösen, rührte die Dame des Hauses fast zu Tränen.
Nachdem der hilfreiche Geist das Haus verlassen hatte, senkte sich wieder meditative Stille über die Szene. Bis Freitag. Nur noch 4 Tage ohne Telefon und Internet. Der Herr des Hauses hatte sich für Freitag wieder Urlaub genommen, um diesem sensationellen Ereignis beizuwohnen und sich möglichst kooperativ zu zeigen. Man kann ja nie wissen... die Telekomiker sind ja äußerst sensibel und Ideenreich, was die Rechtfertigung des Versagen ihres Systems anbelangt.
Am Vorabend dieses denkwürdigen Tages rief der Herr des Hauses vorsichtshalber bei dem neuen Anbieter an, um zu erfragen, wann der Telekomiker denn nun kommen wird.
„Tut uns leid, bei uns ist kein Termin von der Telekom gemeldet. Wir bekommen frühestens am 16. Mai wieder einen Techniker der Telekom, der dann bei ihnen die Freischaltung vornehmen könnte,“ war die Antwort der Servicemitarbeiterin.
„Dann sitzen wir spätestens Montag bei unserem Anwalt und werden sehen, wie wir uns gegen ein derartiges Verfahren zur Wehr setzen können,“ sprach der Herr des Hauses ganz ruhig ins Handy.
„ Waaaaaaaaaaaaaaaaas!!! 16. Mai..!!! noch eine Woche ohne Telefon und Internet???!! Neiiiiiiiiin..jetzt reichts...ich hab die Nase voll.... Nach sieben Wochen !!!! Die sind wohl alle völlig übergeschnappt!“ kreischte die Frau des Hauses lautstark und schlug mit der Hand auf die Tischplatte das es nur so krachte. Wieder war jede Gelassenheit zum Teufel, der Atem blieb völlig oberflächlich und der Frau des Hauses schwanden die Sinne. Was raus muss muss raus und die Übung der gelassenen Achtsamkeit wird verschoben.....alles zu seiner Zeit.
„Hören sie meine Frau, die ist völlig fertig“ sprach der Herr des Hauses vollkommen ruhig ins Handy
Es fiel noch ein paar Mal das Wort: Anwalt sowie Medien und Verbraucherzentrale. Dann cancelte der Herr des Hauses seinen Urlaubstag und die Bewohner verließen ihr stilles Heim, um sich mit einem Essen außerhalb ihrer vier Wände zu trösten.
Am nächsten Morgen wollte sich die Dame des Hauses gerade eine genussvolle Dusche mit Rosmarinduft gegen depressive Verstimmung gönnen, als sie durch den Geräuschvorhang des laufenden Wassers die Türglocke vernahm.
Nach kurzem Zögern schlüpfte sie in ihren Morgenmantel und öffnete die Tür.
Ein sehr großer und korpulenter Mann füllte schwitzend den Türrahmen.
„ Tach.!“ keuchte er. „ Wer sind sie denn?“ fragte die Dame des Hauses etwas unhöflicher als üblich, den Morgenrock zuklemmend.
„Ich komm von der Telekom!“ sagte der blaue Herr immer noch schwitzend.
„Waaaaaaaaaaas?? Wie kommt das denn??“ rief die Frau des Hauses ungläubig.
„ Ich habe einen Auftrag ihre Leitung freizuschalten.“
„Von wem?“ fragte die Frau verdattert und vergaß den Herren hereinzubitten.
„Das weiß ich nicht,“ war die knappe Antwort.
„Sie kommen aber von der Telekom?“
„ Wir sind ein Subunternehmen der Telekom... blablabla“ Die Frau schmiss einen prüfenden Blick auf den breiten Rücken mit dem Firmenlogo.
„Kommen sie rein und bleiben sie bitte hier stehen... versprochen??? Ich ziehe mir nur schnell was an. Nicht weglaufen, schön hier stehen bleiben, es dauert höchstens 3 Minuten. Bin sofort wieder da... bitte bleiben sie einfach da stehen...!! Nicht dass es wieder heißt, wir hätten uns unkooperativ verhalten“ sie hielt die Hand mit der Handfläche nach unten vor sich ausgestreckt und verschwand den völlig irritierten Blick des Herren ignorierend im Bad und stürzte sich in die Klamotten.
Keine 3 Minuten und sie stürmte zurück in den Flur. Dort stand immer noch schwitzend und etwas dumpf guckend der Mann in blau. Nun fühlte sich Frau bemüßigt, dem armen ihr etwas sonderbar anmutendes Verhalten zu erklären.
Seinem Blick war nicht zu entnehmen, ob er sie hörte. Na egal, dachte Frau, unterbrach die erklärenden Worte und zeigte auf die TAE-Dose. Auch die hinter dem vorgezogenen Schrank hervorguckende „Urdose“.
„Die brauch ich alle nicht!“ meine der vom Subunternehmen und wollte in den Keller. Gesagt getan: Zweimal pieps, dann ertönte ein ufoartiges Geräusch in seinem kleinen Messgerät und fertig war’s.
Nach sagenhaften 5 Minuten und einem unfassbar komplizierten Festklemmen zweier Drähte an einen kleinen grauen Stift, war der Anschluss geschaltet.
Nach sieben Wochen!!!!! Frau konnte es nicht fassen.
Übermütig griff sie zum Telefon und plapperte mit ihrer Freundin. Der Nachholbedarf war groß und so wollte sie auch noch eine weitere Freundin mit ihrem aufgestauten Mitteilungsbedürfnis beglücken.
Die Leitung war tot. Auf dem Display stand: Störung.
Den Tränen nahe, griff sie zum Handy und meldete dem neuen Anbieter die Störung,
nicht ohne gleich zu Beginn des Gespräches auf ihre niedrige Frustrationsschwelle bezüglich irgendwelcher Erklärungsversuche irgendwelcher Anbieter für irgendwelche Störungen hinzuweisen. Rein vorsorglich versteht sich.
„Wir werden uns sofort darum kümmern. Spätestens um 16 Uhr sollte alles wieder funktionieren. Wenn nicht, dürfen sie uns dann gern was übern Kopp hauen!“ lachte die Mitarbeiterin. „ Wenn sie mir verraten wo sie sitzen komme ich gern darauf zurück!“ erwiderte die Dame des Hauses hoffungsfroh und nahm ebenfalls lachend eine kostenlose Nummer zur Hotline entgegen.
Mit ungewohnter Zuverlässigkeit wurde der Anschluss übers Handy geprüft.
Der Herr des Hauses folgte mit Handy am Ohr, bäuchlings vor der geheimnisvollen Dose liegend, den Anweisungen des Technikers:
Stecker rein, Stecker raus, Blinklicht kontrollieren, Stecker wieder raus, anderer Stecker rein, dem neuen Ton aus dem Telefon lauschen, wieder Stecker raus und in die andere Dose wieder rein und dann blinkten alle Lämpchen so wie sie sollten und alle Töne tönten wie sie sollten und Punkt 16 Uhr war alles klar.
Danke „Alice“, die Gute hat uns die Tür zur Welt geöffnet. Bislang......toi, toi, toi
Misho 12.05.2008, 18.57 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Verloren im 21 Jahrhundert
Kabelklimbim die Zweite:
Ein Techniker, der heute wirklich und wahrhaftig erschienen ist und sich auch zuständig fühlte, hat sich am Kopf gekratzt, sein Kästchen wieder eingepackt und das war‘s.
Nicht ganz, er hat sich wenigstens noch gewundert, dass wir überhaupt noch ein Bild in der Flimmerkiste haben.
Immerhin !!!
Was, wie, wann und ob überhaupt was geändert wird,
oder geändert werden kann,
oder geändert werden soll,
oder was weiß der Kuckuck, steht in den Sternen.
Eins ist aber sicher: Solange wir keinen vernünftigen Empfang haben, wird Kabelklimbim auf unsere Gebühren verzichten müssen.
Wird die auch nicht jucken, dann klemmen sie uns das Teil eben ab.
Auch gut, das Programm ist sowieso sch....es gibt gute Bücher und zur Not knallen wir uns eine Schüssel aufs Dach.
Die können mich mal...
Außerdem gibt es ja jede Menge nette Angebote im Internet..!!!???
Ach so, das haben wir ja auch nicht mehr.
Dann werde ich eben meine Freunde anrufen und mich für‘s Kino verabreden..??!!.
Ach Telefon gibt es ja nicht mehr.!!
Na, dann bleibt uns ja noch die gute alte Postkarte...!!!??
Ach, geht ja auch nicht mehr, die streiken ja...
Also, ich glaube, ich brauche jetzt so rosa Pillchen gegen Depressionen und Wutanfälle.
Werde mal beim Doc vorbeischauen..
Ach, den gibt es ja auch nicht mehr, die streiken gerade...und wenn sie nicht streiken, gibt es den nächsten Termin für Kassenpatienten ca in zwei Monaten. Die Praxis ruft mich an, wenn ein Termin frei wird....
Ach geht ja nicht, wir haben ja kein Telefon...
Ich war heute im Bastelladen und habe mir Bindfaden und Plastikbecher besorgt. Wir werden jetzt zu unseren Nachbarn ein Bechertelefone verlegen. So wir wir das als Kinder gemacht haben. Der Herr des Hauses schlägt gerade bei Karl May nach wie das mit den Rauchzeichen funktioniert.
Schmusekater Paul freut sich schon, denn demnächst haben wir Brieftauben auf dem Balkon.
Im Vorgarten stehen Töpfe mit Heilkräutern, die werde ich morgen einbuddeln...
Heute Abend machen wir es uns bei Kerzenschein so richtig gemütlich. Wir üben schon mal, denn Strom wird es sicher auch bald nicht mehr geben. Wir erzählen uns dann schöne Märchen und holen die Blockflöte raus. Der Kohleofen steht schon im Keller bereit und die gute alte Kochkiste haben wir auch schon gebaut.
Zurück in die Zukunft
Misho 16.04.2008, 19.28 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Oh, ich armer Hund
Wie beneide ich das Fienchen. Hingabe seitens der Ihrigen auf ganzer Linie. Und hier??
Die Meinige hat wenig Verständnis für meine zarte Seele und meine Vorlieben.
Ich liebe es nun mal gemütlich. Ich liege liebend gern auf dem Sofa, oder auf ihrem Bett, wenigstens das ist mir gestattet.
Außerdem beglücke ich nur sehr ausgewählte Artgenossen mit meiner Aufmerksamkeit. Was leider bei meiner Familie nicht sehr geschätzt wird. Ich kann diese ungehobelten Rüpel, die immer nur das eine wollen nicht leiden…und überhaupt…bin nun mal eine sehr blaublütige Lady mit seidigem Fell, von sanftem Gemüt und mit ausgeprägter Intelligenz. Denksportaufgaben und kleine Kunststückchen im häuslichen Rahmen sind schon eher mein Ressort: Leckerchen aus irgendwelchen Schubladenboxen holen, Schukartons öffnen, Männchen machen, Pfötchen geben in Kombination mit Kopf schräg legen bis hin zur “Rolle” und zu “Peng”. Bei letzterem schmeiß ich mich auf den Boden und recke die Pfoten in die Luft. All diese Dinge erledige ich locker mit der linken Pfote. Genauso durch Tunnel krabbeln, über Hürden springen und natürlich Ballspielen.
Ansonsten liebe ich es nun mal bequem. Spazieren gehen…nun ja man erledigt das Nötigste. Das reicht mir, der Meinigen irgendwie nicht.
Jedenfalls geschah gestern folgendes:
Es war herrliches Balkonwetter. Die Meinige machte es sich in der Sonne mit Buch, Tee und Schokolade in ihrem Lieblingssessel gemütlich. Ich kuschelte mich in ihren Schoß.
Die Sonne wärmte meinen schwarz- glänzenden Pelz, die Vögel trällerten und mein linkes Schlappohr wurde sanft gekrauelt. Etwas mechanisch, das Buch war wohl sehr interessant, aber immerhin. Plötzlich hielt die Meinige inne. Ihre Hand hatte sich gerade langsam vom linken Schlappohr zu meinem rosa Bäuchlein vorgearbeitet. Zwischen Daumen und Zeigefinger formte sie ein Röllchen. Sie legte das Buch zur Seite und runzelte die Stirn, während sie weitere Röllchen formte.
“Also wirklich, so geht das nicht weiter!!” murmelte sie. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was so nicht weiter gehen sollte. Von mir aus hätte das ewig so weitergehen können.
Sie schob mich vom Schoß, schlüpfte in die Schuhe, nahm meine Leine vom Haken und erhob die Stimme:
“Los! Auf du faule Socke!”
Ich erhob mich ganz vorsichtig, zählte meine Beine, es waren vier, rollte mich noch einmal auf die Seite, blinzelte in die Sonne und ließ mein Hinterteil wieder nach unten sinken. “Wird’s bald?!” vernahm ich ihre ungeduldige Stimme durch meine Schlappohren.
Nun gut, sie brauchte wohl etwas Bewegung, dachte ich mir und trottet hinter ihr her.
Vor der Haustür marschierte sie in zackigem Tempo voraus. Sie braucht wirklich Bewegung, schien mir. Soll sie doch, ich warte hier so lange, dachte ich und setzte mich geduldig in die Sonne.
“Drehe du nur deine langweilige Runde durch den Park. Ich passe solange auf das Haus auf”, signalisierte ich ihr.
Offensichtlich wollte sie aber unbedingt meine Gesellschaft und hörte einfach nicht auf mich zu rufen. Langsam setzte ich mich in Bewegung, natürlich nicht ohne den Botschaften meiner Artgenossen genügend Aufmerksamkeit zu schenken.
An dem glatten Stöckchen ohne Rinde war Hermes zugange gewesen, da unter der Biotonne konnte ich noch die Art des Sonntagsbratens unserer Nachbarn analysieren. Na und dann erst der Laternenpfahl ganz unten: Nappos lange Botschaft erforderte meine ganze Konzentration. Ungeduldig klimperte die Meinige mit der Leine.
Ich war noch nicht soweit. Sie ging einfach weiter, ihre Absätze klackerten etwas fester als gewohnt auf dem Pflaster. Egal.
Aus dem Augenwinkel, durch meinen Ponny hindurch, konnte ich sie gaaaaaaaaaaanz weit hinten stehen sehen. Sie wollte wirklich in den doofen Park, aber eben nicht allein.
Ich ging ein paar Schritte in ihre Richtung. In der Mitte des Weges blieb ich stehen.
Sie drehte sich um: “ Du kommst sofort hiiiiiiiiier her!” schrie sie in einem etwas unflätigen Ton in der Gegend herum.
Nicht in diesem Ton mit mir, meine Liebe..so nicht!!
Meine Augen wurden noch dunker, meine Lefzen etwas dicker, meine vier Beine stemmte ich fest in den Boden: ”Kannst mich mal…”
Die Meinige riß die Augen auf: “Spinnst du jetzt, oder was?? Du kommst sooofort her!!” zackig zeigte sie mit ihrem Zeigefinger bei jedem Wort rhythmisch auf ihre Füße.
Ich rührte mich nicht. Das entsprach nicht so ganz meinem normalen Verhalten. Aber in den öden Park??, heute?? Neee nicht mit mir! April, April!!
Die Meinige stampfte mit dem Fuß auf, auch nicht ihr normales Verhalten.
Zögerlich ging ich ein paar Schrittchen auf sie zu. “ Na also, geht doch!” hörte ich in der Ferne. Blöder Spruch.
Mitten auf dem Weg wollte ich es wissen: Keinen Zentimeter weiter. Basta!!!
Die Meinige kam mit harten Schritten auf mich zu. Geht doch, dachte ich und blieb stehen. Irgendwie etwas größer als normal kam sie daher, sagte lauter unschöne Dinge und befestigte allen ernstes die Leine an meinem Halsband.
Auch das noch!! Normal laufe ich oben ohne. Sie zog die Leine stramm.
Ich blieb sitzten. Mein ganzes Fellkleid geriet aus der Fasson.
Positiver Nebeneffekt: mein Kopf wirkte noch größer und gefährlicher. “Hat die einen Dickschädel!” sagte ein Mann der gerade an mir vorbei ging. Warum der dabei so lachte war mir nicht klar.
Die Leine zog stramm unter meinem Kinn. Mein Hinterteil ging in den Gegenzug.
Da standen wir nun und nichts rührte sich. Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Mehrer Passanten liefen lachend an uns vorbei. Eine Frau mit dicker Einkaufstasche drehte sich noch einmal um: “Die hat einfach keine Lust!” rief sie lachend.
Die Gute traf den Nagel auf den Kopf. Anscheinend dämmerte es nun auch bei der Meinigen, jedenfalls änderte sie urplötzlich die Marschrichtung und lief über die Wiese zurück zu unserem Hauseingang. Wie gestört raste ich an ihr vorbei, das Gras flog, mein Fell wehte dekorativ.
Ich stürmte die Treppen hoch, die Wohnungstür flog auf und ich wirbelte laut bellend durch alle Zimmer: GEWONNEN !! GEWONNEN!!
Statt sich die Jacke auszuziehen griff die Meinige grinsend eine Decke, meinen gelben Ball und eine Flasche Wasser. Sie packte mich, trug mich die Treppe wieder runter und ehe ich mich versah saß ich hinten in ihrem Fahrradkorb.
“Na warte!” murmelte sie und trat in die Pedale. Tolller Blick hier oben, ich mag das.
Plötzlich erreichte mich ein köstlicher Duft nach Sommer, Sonne, Freiheit und Riesenwiese. Der innere Jubel lief mir prickelnd unters Fell: DER SCHLLOSSGARTEN!!! Die Meinige setzte mich auf den Boden und jubelbellend raste ich neben ihrem Fahrrad her. KLASSE..TOLL..TOLL..TOLL…
Unter einem Baum, neben lauter blauen Blümchen, breitete die Meinige die Decke aus und ließ sich nieder. Ich flog ihr in die Arme und knabberte überschwänglich an ihrem Ohrläppchen.
Sie griff zum gelben Ball und warf ihn im hohen Bogen in die Luft. Da war ich in meinem Element. Wie ein schwarzer Blitz flitzte ich hinter der Beute her und legte sie der Meinigen brav vor die Füße. Klatschend standen fremde Zweibeiner daneben und ich durfte noch ein paar meiner “Kunststückchen” vorführen.
Die Ballraserei betrieben wir, bis mir meine rosa Zunge schräg aus dem Maul hing.
Ich legte mich noch ein bisschen auf die Decke und beobachtet Artgenossen in Kalbsgröße aus sicherer Entfernung.
Schließlich packten wir das Gerümpel wieder ein, ich hinterließ noch einige Grußbotschaften und dann….hhhhhhmmmmm…DA !!!
Ein herrlich duftendes “Etwas”. So richtig zum Reinschmeißen: Erst die linke Schulter, dann die rechte… Sehr von Ferne erreichte mich das Kreischen der Meinigen und das laute Lachen unserer Deckennachbarn. Köstlich dieser Duft. Sorgfältig verteilte ich das “Etwas” gleichmäßig in meinem seidigen Fell.
Nun kam Bewegung in die Meinige. Rasend stürzte sie auf mich zu, nannte mich Schwein und so…und verfrachtete mich wieder in den Korb.
Zuhause trug sie mich mit lang ausgetreckten Armen quer durch die Wohnung. Etwas hilflos baumelte ich in der Gegend rum, aber sie wollte offensichtlich keine Tuchfühlung.
Na und dann folgte die Katastrophe: Badewanne mit Shampoolawinen.
Aus die Maus, weg der Duft!!
Na besser als das Schicksal der Decke. Die drehte sich schäumend hinter dem großen Bullauge in der Küche. Beim anschließenden Fönen begutachtete die Meinige wieder ganz schamlos mein rosa Bäuchlein. “Winterspeck!” war ihr Kommentar. Von mir aus, aber den trainiere ich mir in dem langweiligen Park nicht ab. Bällchen schmeißen im Schossgarten, von mir aus…..aber in den Park?? Nicht mit mir! Und die Röllchen??? Also ich weiß nicht, wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen schmeißen….und überhaupt, das ist alles nur vom Fönen aufgeplustertes Fell. Sonst nix, basta!
Und nun lege ich mich wieder gemütlich aufs Sofa.
Misho 02.04.2008, 19.25 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Captcha Abfrage
| Franzizicki |
| Hallo Misho, alles Gute für euch alle und gute Besserung für die Oma. Hat sich etwas zu Deinen Plänen ergeben oder wartest Du noch auf Entscheidungen bzw. triffst sie? Lasse es Dir einigermaßen gut gehen, so weit das möglich ist... LG Franzizicki |
| 18.11.2006-16:39 |
|
|
| Andrea |
|
hab mich ja auch schon länger nicht mehr gemeldet ;-) Oh du bist grad in Düsseldorf?? In meiner Stadt?? Ist ja lustig :-))
Wünsche dir ein schönes Wochenende :-) |
| 29.9.2006-8:20 |
|
|
| Franzizicki |
Huhu Misho, und was machst Du nun? Selbst einen Laden oder was auch immer eröffnen oder das Angebot annehmen, das der Herr am Telefon gemacht hat? Sind ja aufregende Geschichten bei Dir. Viel Erfolg für die richtige Entscheidung. LG Franzizicki |
| 20.9.2006-22:47 |
|
|
| Franzizicki |
Huhu Misho, bei uins ist SONNE und warm. Ich gehe jetzt mit den Laufstäbchen 10 km walken. Ciau, und schönes Wochenende. Franzi |
| 1.9.2006-15:27 |
|
|
| Franzizicki |
| Hallo Misho, einen guten Start in diese neue kurze Woche wünsche ich Dir. Hoffentlich ziehen die dicken Wolken bald vorüber... LG Franzizicki |
| 12.6.2006-9:29 |
|
|
Viel Erfolg für die richtige Entscheidung. LG Franzizicki


